NELLY MAZLOUM

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Tanz Dich Frei 

Von Nelly Mazloum

Die traditionelle Art des Orientalischen Tanzes stammt aus uralter Zeit. Sie ist eine Kunst, die Frauen seit der Antike ausüben und damit eine Weisheit bewahren, die wir in unserem hektischen Überleben heutzutage dringend brauchen.

Frauen nehmen an Orientalischen Tanzkursen teil, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken, eine andere Haltung einzunehmen und ihre Persönlichkeit ihren Träumen und Hoffnungen auf persõnliche Erfüllung entsprechend neu zu gestalten.

Orientalischer Tanz ist ein Mittel zur Selbstverwirklichung geworden, das introvertierten Frauen, die sich nicht trauen, ihre Gefühle nach außen zu zeigen, hilft, sich zu emanzipieren. Orientalischer Tanz in Form von Bauchtanz gibt ihnen das Gefühl, schön zu sein, begehrenswert und attraktiv, doch ihre Vorstellungen von Körpereinsatz und künstlerischer Körperbeherrschung gehen nicht über das Tragen schillernder Kostüme und das Auf- und Ablaufen auf einer Bühne, halbnackt, als ob sie Cleopatra waren, die für Marc Antonius tanzt, hinaus.

Ausrichtung des Körpers für gröβere Vitalität und Strecken der Wirbelsäule werden für gewöhnlich als Titel verwendet, als Hinweis auf Präzision, auf die in der Fuβarbeit nie Wert gelegt wird. Tempi und die Ausführung harter und weicher Armbewegungen zur Harmonisierung koordinierter Hüft- und Kopfbewegungen werden nicht als Hauptstütze der Orientalischen Tanztechnik dargelegt. Die Bewegungen der Schülerinnen sollten von Anfang an flieβend sein, niemals abgehackt, abrupt beendet, überanstrengt und ohne Übergang. Nahtlose Gewichtsverlagerungen führen zu ruckartigen Gesten, die dem Orientalischen Tanz seine Eleganz nehmen.

Eine Tänzerin muss lernen sich zurückzuhalten und weiter zu tanzen, über den Kampf zwischen unerkannten Schwierigkeiten und mangelnder Übung hinweg. Unsicherheit verkrampft den Körper und trübt den Geist. Körperorientierung sollte zur zweiten Natur werden, doch kann sie das nicht, wenn grundlegende Körperregeln nicht derart verinnerlicht wurden, dass der Körper automatisch mit unmittelbaren Reflexen auf die Musik reagiert. Das ist die eigentliche Quelle der Spontaneität. Wahre Körperbeherrschung hängt eng mit Spontaneität zusammen. Doch Spontaneität ist ein primitiver Instinkt, den moderne künstliche Lebensweisen schon vor langer Zeit erstickt und begraben haben. Ein Umlernen, das ein gegenseitiges Durchdringen von Körper, Geist und Spontaneität ermoglicht, ist heute das sine qua non des Tanzstudiums.

Alle Anfängerinnen kennen die Situation: sie tanzen und haben das Gefühl, der Körper schreit unentwegt nach Hilfe. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Anfängerinnen im Orientalischen Tanz keine Technik lernen mögen und lieber zwei Jahre lang in einer Fläche von 30 x 30 cm stehen bleiben und mit dem Becken kreisen. Die Aufgabe der Lehrerin ist es, die einzelnen Teile des Körpers wieder zusammenzuführen, die durch das psychologische Moment der westlichen individuellen Besonderheit in falsche Richtungen geführt wurden. Ist die Lücke durch angewandte Technik erst überbrückt, wird sich das Bewuβtsein für Ästhetik ganz natürlich wieder einstellen und die Spontaneität wird zu Freiheit und Leichtigkeit zurückfinden. Die Lehrerin wird zwangsläufig bei den Anfängerinnen auf Widerstand stoβen, die nur nach eigenem Belieben tanzen wollen und glauben, sie könnten die wahre Bedeutung ihrer Weiblichkeit erkennen, ohne tiefer zu gehen.

Tanzerfahrungen ohne ein gewisses Maβ an Grundlagentraining kann für blutige Anfängerinnen interessant sein, die sich mit bloβer Gruppenzugehörigkeit ohne bestimmtes Ziel zufrieden geben. Ihre Libido wird jedoch nicht dadurch freigesetzt, dass sie Weiblichkeit vortäuschen.

Es ist normal, dass viele Frauen schon zufrieden sind, wenn sie einfach Spa? haben und gar nicht mehr wollen. Doch wenn sie über einen langen Zeitraum Geld ausgeben und Zeit in ein Hobby investieren, erwarten die Frauen etwas Substantielles von ihrem jahrelangen Training. Sie werden wütend, wenn sie mit fortgeschrittenen Gruppen nicht Schritt halten können. Sie sind verärgert, wenn sie die verschiedenen Körperteile nicht gleichzeitig koordinieren können, und fühlen sich betrogen, wenn ihr Fortschritt sich darauf beschränkt, Spaβ zu haben.

Amateurismus hat etwas Oberflächliches an sich, das Qualität geringschätzt und die Lehrer verleitet, die Wünsche der Kunden auf Kosten des künstlerischen Wertes zu befriedigen. Wer professionell arbeitet sollte diesem Trend widerstehen und nicht der Versuchung nachgeben, einen Weg zwischen ethischer Nachsicht und moralischer Verpflichtung zu suchen. Von Anfang an müssen die Schülerinnen dazu gebracht werden zu verstehen, dass bedeutungsleere Unterhaltung nur grosse Zeit- und Geldverschwendung ist, die unvermeidlich zu Bedauern führt. Schlechte Saat geht schneller auf als gute, und wenn sie erst in die Mentalität einer Person eingedrungen ist, ist es zu spät sie vollständig auszumerzen, selbst wenn der Beschluss gefasst wurde, besser zu lernen. Wir müssen immer kleine Qualen erleiden oder ein Quentchen Freude opfern, um so zu werden wie wir wollen.

Heute, nach über fünfzig Jahren ununterbrochenen Tanzunterrichtes erkenne ich die enorme Bedeutung meiner Jahre als Novizin, wie sie den Weg für meine Ausbildung geebnet haben und mir zu der ganz wesentlichen Einstellung von Achtung und Wertschätzung korrekter Grundlagen und ehrlichen, reinen Trainings des Körpers verholfen haben. Sie haben die letzten fünfzig Jahre und länger meinen Körper in Form und meinen Geist wach gehalten.

Sei objektiv in dem Vertrauen auf das, was Dein Herz will. Schätz Deine Entschlossenheit , den Weg bis zum Ende zu gehen und aus der Erfahrung bereichert hervorzugehen und dankbar dafür, es ehrlich, gründlich und gut gemacht zu haben, richtig ein.

Wenn Dein Körper zur Flöte geworden ist, die in der Lage ist, das Lied des Lebens und des Frauseins in Bewegungen zu interpretieren, dann weiβt Du, was Befreiung bedeutet. 


Übersetzung aus dem Englischen: Nargis
Copyright ©Nelly Mazloum, 2000

 

 
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Last modified: Ìáñôßïõ 21, 2009