Die
traditionelle Art des Orientalischen Tanzes stammt aus uralter Zeit. Sie
ist eine Kunst, die Frauen seit der Antike ausüben und damit eine
Weisheit bewahren, die wir in unserem hektischen Überleben heutzutage
dringend brauchen.
Frauen nehmen an
Orientalischen Tanzkursen teil, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken, eine
andere Haltung einzunehmen und ihre Persönlichkeit ihren Träumen und
Hoffnungen auf persõnliche Erfüllung entsprechend neu zu gestalten.
Orientalischer
Tanz ist ein Mittel zur Selbstverwirklichung geworden, das
introvertierten Frauen, die sich nicht trauen, ihre Gefühle nach außen
zu zeigen, hilft, sich zu emanzipieren. Orientalischer Tanz in Form von
Bauchtanz gibt ihnen das Gefühl, schön zu sein, begehrenswert und
attraktiv, doch ihre Vorstellungen von Körpereinsatz und
künstlerischer Körperbeherrschung gehen nicht über das Tragen schillernder
Kostüme und
das Auf- und Ablaufen auf einer Bühne, halbnackt, als ob sie Cleopatra
waren, die für Marc Antonius tanzt, hinaus.
Ausrichtung des Körpers für gröβere
Vitalität und Strecken der Wirbelsäule werden für gewöhnlich als Titel
verwendet, als Hinweis auf Präzision, auf die in
der Fuβarbeit nie Wert gelegt wird. Tempi und die Ausführung harter und
weicher Armbewegungen zur Harmonisierung koordinierter Hüft- und
Kopfbewegungen werden nicht als Hauptstütze der Orientalischen
Tanztechnik dargelegt. Die Bewegungen der Schülerinnen sollten von
Anfang an flieβend sein, niemals abgehackt, abrupt beendet,
überanstrengt und ohne Übergang. Nahtlose Gewichtsverlagerungen
führen
zu ruckartigen Gesten, die dem Orientalischen Tanz seine Eleganz nehmen.
Eine Tänzerin muss lernen sich
zurückzuhalten und weiter zu tanzen, über den
Kampf zwischen unerkannten Schwierigkeiten und mangelnder Übung hinweg.
Unsicherheit verkrampft den Körper und trübt den Geist.
Körperorientierung sollte zur zweiten Natur werden, doch kann sie das
nicht, wenn grundlegende Körperregeln nicht derart verinnerlicht wurden,
dass der Körper automatisch mit unmittelbaren Reflexen auf die Musik
reagiert. Das ist die eigentliche Quelle der Spontaneität. Wahre
Körperbeherrschung hängt eng mit Spontaneität zusammen. Doch
Spontaneität ist ein primitiver Instinkt, den moderne künstliche
Lebensweisen schon vor langer Zeit erstickt und begraben haben. Ein
Umlernen, das ein gegenseitiges Durchdringen von Körper, Geist und
Spontaneität ermoglicht, ist heute das sine qua non des Tanzstudiums.
Alle Anfängerinnen kennen die Situation: sie tanzen und haben das
Gefühl, der Körper schreit unentwegt nach Hilfe. Vielleicht ist das der
Grund,
weshalb Anfängerinnen im Orientalischen Tanz keine Technik lernen
mögen
und lieber zwei Jahre lang in einer Fläche von 30 x 30 cm stehen bleiben
und mit dem Becken kreisen. Die Aufgabe der Lehrerin ist es, die
einzelnen Teile des Körpers wieder zusammenzuführen, die durch das
psychologische Moment der westlichen individuellen Besonderheit in
falsche Richtungen geführt wurden. Ist die Lücke durch angewandte
Technik erst überbrückt, wird sich das Bewuβtsein für Ästhetik ganz
natürlich wieder einstellen und die Spontaneität wird zu Freiheit und
Leichtigkeit zurückfinden. Die Lehrerin wird zwangsläufig bei den Anfängerinnen auf Widerstand stoβen, die nur nach eigenem Belieben
tanzen wollen und glauben, sie könnten die wahre Bedeutung ihrer
Weiblichkeit erkennen, ohne tiefer zu gehen.
Tanzerfahrungen
ohne ein gewisses Maβ an Grundlagentraining kann für blutige Anfängerinnen interessant
sein, die sich mit bloβer
Gruppenzugehörigkeit ohne bestimmtes Ziel zufrieden geben. Ihre Libido
wird jedoch nicht dadurch freigesetzt, dass sie Weiblichkeit
vortäuschen.
Es ist normal,
dass viele Frauen schon zufrieden sind, wenn sie einfach Spa? haben und
gar nicht mehr wollen. Doch wenn sie über einen langen Zeitraum Geld
ausgeben und Zeit in ein Hobby investieren, erwarten die Frauen etwas
Substantielles von ihrem jahrelangen Training. Sie werden wütend, wenn
sie mit fortgeschrittenen Gruppen nicht Schritt halten können. Sie sind
verärgert, wenn sie die verschiedenen Körperteile nicht gleichzeitig
koordinieren können, und fühlen sich betrogen, wenn ihr Fortschritt sich
darauf beschränkt, Spaβ zu haben.
Amateurismus hat
etwas Oberflächliches an sich, das Qualität geringschätzt und die Lehrer
verleitet, die Wünsche der Kunden auf Kosten des künstlerischen Wertes
zu befriedigen. Wer professionell arbeitet sollte diesem Trend
widerstehen und nicht der Versuchung nachgeben, einen Weg zwischen
ethischer Nachsicht und moralischer Verpflichtung zu suchen. Von Anfang
an müssen die Schülerinnen dazu gebracht werden zu verstehen, dass
bedeutungsleere Unterhaltung nur grosse Zeit- und Geldverschwendung ist,
die unvermeidlich zu Bedauern führt. Schlechte Saat geht schneller auf
als gute, und wenn sie erst in die Mentalität einer Person eingedrungen
ist, ist es zu spät sie vollständig auszumerzen, selbst wenn der
Beschluss gefasst wurde, besser zu lernen. Wir müssen immer kleine
Qualen erleiden oder ein Quentchen Freude opfern, um so zu werden wie
wir wollen.
Heute, nach über fünfzig Jahren ununterbrochenen Tanzunterrichtes erkenne ich die enorme
Bedeutung meiner Jahre als Novizin, wie sie den Weg für meine Ausbildung
geebnet haben und mir zu der ganz wesentlichen Einstellung von Achtung
und Wertschätzung korrekter Grundlagen und ehrlichen, reinen Trainings
des Körpers verholfen haben. Sie haben die letzten fünfzig Jahre und länger meinen
Körper in Form und meinen Geist wach gehalten.
Sei objektiv in
dem Vertrauen auf das, was Dein Herz will. Schätz Deine Entschlossenheit
, den Weg bis zum Ende zu gehen und aus der Erfahrung bereichert
hervorzugehen und dankbar dafür, es ehrlich, gründlich und gut gemacht
zu haben, richtig ein.
Wenn
Dein Körper zur Flöte geworden ist, die in der Lage ist, das Lied des
Lebens und des Frauseins in Bewegungen zu interpretieren, dann weiβt
Du,
was Befreiung bedeutet.